Montag, 24. August 2015
Story 2 - Chapter 2/ John
Wie sehr er es doch hasste. Alle Menschen sahen überglücklich aus, die Paare hielten Händchen und himmelten sich verträumt an. Kinder spielten gemeinsam auf dem großen Rasen und besorgte Mütter gaben darauf Acht, dass die teuer gekaufte Kleidung ihrer Lieblinge nicht allzu schmutzig wurde. John leerte den Rest seines dritten Sektglases in einem Zug und stellte es der nächstbesten Kellnerin aufs Tablett. Das frisch vermählte Brautpaar unterhielt sich mit einer Gruppe von Leuten, die er noch nie gesehen hatte.
"John? Kommst du mal eben?" hörte er die Stimme seines Bruders und schritt langsam zum Brautpaar. Ja, er war der Bruder des Bräutigams also riss er sich zusammen und setze ein schmales Lächeln auf. "John, das sind Valerie und ihre Schwester Alexis, die beiden kennst du sicher." In der Tat kannte er Valerie und seine Begeisterung für sie, hielt sich in Grenzen. Die jüngere Schwester jedoch hatte er noch nie gesehen. "Freut mich sehr!", sagte er und schüttelte den beiden die Hand. Während die anderen wieder zu reden anfingen mustere er Alexis. Sie war das genaue Gegenteil von ihrer Schwester. Blond, schlank und unscheinbar. Nie im Leben wäre sie hier aufgefallen. Ihr Kleid war schlicht und auch bei ihrer Frisur hatte sie sich keine große Mühe gegeben, ja sogar ihr schwarzer Nagellack war abgeblättert. Anscheinend bemerkte sie seine Blicke denn sie nickte nur kurz und wandte sich dann ab.
"Vielleicht aber könnten wir auch ein Glas Wein trinken?" John hatte irgendwann aufgehört die Sekunden zu zählen. Er hatte also keine Ahnung mehr, wie lange Valerie schon bei ihm stand und ihn zuquatschte, aber er wusste eines, er sollte dem ein Ende bereiten. Hinter Valerie erkannte er eine Gruppe von Männern die alleine standen, ein paar bekannte Gesichter konnte er sogar ausmachen. Er schob Valerie ohne ein weiteres Wort dorthin und löste sich schließlich von der Gruppe.
Eine Zigarette wäre jetzt mehr als angebracht. Er entfernte sich langsam von den Feierlichkeiten und setze sich an den Gehsteig rand.
Als er den Rauch in seinen Lungen zog, spürte er, wie sich sein Körper entspannte und er ruhiger wurde. John hatte seine Zigarette fast fertig geraucht als er Schritte hinter sich hörte. Er drehte sich um und erkannte eine schmächtige Gestalt die scheinbar auf ihn zu kam. Erst beim näher kommen erkannte er Alexis. "Schönen Abend noch", murmelte sie beim vorbei gehen. John warf einen Blick auf die Uhr und bemerkte erst jetzt dass es schon nach Mitternacht war. "Warte!", rief er ihr nach und beeilte sich hoch zu kommen. Es wunderte ihn nicht, dass sie einfach weiter ging aber er hatte sie schnell eingeholt. "Du wirst doch wohl nicht alleine nach Hause gehen wollen, es ist..." fing er an wurde jedoch von ihr unterbrochen. "Ich schlafe die Nacht im Hotel." Ihre Antwort kam schnippisch herüber. "Wo ist deine Schwester?" fragte er nach und sie blieb abrupt stehen. "Was willst du von mir? Ich kenne dich nicht und habe auch leider viel zu wenig getrunken um mich auf dich einzulassen..Also wenn du nicht gerade einen Vorschlag hast der einfach umwerfend ist dann würde ich dich höflichst bitten zu der Feier zurück zu gehen." Genau wie sie war John stehen geblieben und hatte ihr höflichkeitshalber zugehört. "Ich hätte da allerdings einen Vorschlag..," murmelte er und zog Autoschlüssel aus seiner Hosentasche.
"Feuer?" fragte er und zündetet zuerst ihre Zigarette an bevor er seiner Feuer gab. Das Zimmer war dunkel, bis auf einen schmalen Lichtschein der herein fiel. Es hatte ein Blick zwischen ihnen gereicht und John wusste, dass er gewonnen hatte. Alexis lag neben ihm und ihr schmaler Körper wurde nur teilweise durch das dünne Laken bedeckt. Sie drehte sie auf den Bauch und zog an ihrer Zigarette. "Der Bruder des Bräutigams also?" fragte sie nach und hob eine Augenbraue. "Wie kommt es dazu, dass du dich einfach so verziehen kannst?" John schnaubte kurz und legte einen Arm hinter seinen Kopf. "Niemand wird bemerken dass ich weg bin, das garantiere ich dir.", murmelte er und blies den Rauch in die Dunkelheit des Zimmers.
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